ADAMS WÄSCHE (1): Der Tag mit den “Os”

November 22nd, 2011

Adam does not live here anymore.

Adam Budak, that is. Der lebt und arbeitet seit Herbst im kolportierter Weise größten Museumskomplex der Welt, in Washinton DC, am Smithsonian Institut. Das ist de facto nicht zu ändern, aber extrem schade, zumal Budak am Kunsthaus etwa für die “Human Condition” und “Videodreams” zuständig war; das sind beides Ausstellungen, aber natürlich nicht nur.

Von Graz nach Washington ist es weit, ein Umzug immer eine Kraftprobe, vor allem, wenn man Dinge zu schätzen weiß. Was dalassen? Das Unnötigste, Engelhafteste, Passéste? Jeder Engel ist schrecklich und das Schöne…, man kennt das ja.

Adam musste also ein paar seiner Sachen, zum Beispiel seiner Wäsche hierlassen, übertrug sie in meine Obhut. Und damit all den schönen Dingen nicht langweilig wird, sie auch weiter am so wunderbaren Grazer Kultur- und überhaupt Leben teilnehmen können, führe ich sie ein bisserl aus ab und an.

Donnerstags, etwa, war ich zum Interview bei < rotor > und danach zu einer Besprechung bei shotshotshot und nahm ABs dromedarfarbenes Hugo-Hemd und seine weiß-rote Wendejacke mit. Beim < rotor > ging’s um das Annenviertel, ein Gespräch, das in der Dezemberausgabe des Megaphon irgendwie ähnlich wie geführt nachzulesen sein wird, bei shotshotshot um Naturgas (aber es gibt sowieso nur ein Gas, meint shotshotshots own Daniel Bauer).

Sollen wir jetzt nich Musik spielen?

Okay:

1618-demonchild

OPINION (1): Unendlicher Spass hat ein Ende

November 17th, 2011

1547 Seiten, um mal so anzufangen – die muss man nicht nur erst schreiben, die muss man auch erst einmal lesen wollen und können und Zeit finden dafür und sich disziplinieren und erholen davon. 1547 Seiten.  Jedes Wort, jedes einzelne, gelesen. Ich. Als zweiter Mensch in Graz. Nach Clemens Setz, der ein Mittelinitial hat, das ich jetzt nicht die Nerven zu googeln besitze.

Für mich macht das “Unendlicher Spass” zum zweitdicksten gelesenen Buch meines Lebens, Vikram Seths “A Suitable Boy” war um wahrscheinlich 300 Seiten länger (aber auch um vieles konsumierbarer), und was dieser Post eigentlich soll, ist den Postenden selbst unendlich zu loben. Denn er hätte nicht nur eine Antwort auf die Frage, wer die schönste Frau Östereichs ist, sondern auch wirklich jeden Charakter dieses Wallace-Mammuts im Kopf filmisch besetzt, was bei ihm schwieriger als bei anderen ist, aus mehreren Gründen, so wie es bei ihm auch schwieriger zu beurteilen ist, ob seine Bücher eigentlich gut sind oder sich nur so lesen.

Was bleibt: Ist diese wunderbare, mit nichts zu tun habende Passage über den an den schlimmsten Psychosen aller Zeiten laborierenden Mann, der von der Wahnvorstellung geplagt wird, dass ihm radioaktive Flüssigkeit ins Gehirn tropft. Er lebt in einer psychiatrischen Einrichtung, und weil er so hoffnungslos und schlimm psychotisch ist, kann man an ihm auch so tolle Untersuchungen dieser psychischen Krankheit durchführen; man macht also einen Test mit ihm, einen Pet-Scan, wenn ich das richtig erinnere, man will ja wissen, was in so einem Gehirn vorgeht, wenn es sensationelle Wahnvorstellungen hat. Und für diesen Scan ist es natürlich notwendig, ihm ein radioaktives Kontrastmittel ins Gehirn spritzen.

Was noch bleibt ist diese wunderbare Figur Gately, dieser grobschlächtige, unintellektuelle Riese, ein Typ mit Herz, ein Kämpfer und Bemüher, der DFW allen Anschein selbst als so gelungen erachtete (und das wahrscheinlich deshalb, weil er ihm so fremd war in seiner Schlichheit), dass er ihn anders als den brillanten  Hal und seine ganze kaputte Familie nicht schnetzeln, zerfransen, zerfasern musste, zerteilen, skrutinieren und in die Ecke mit der Lupe, sondern ihn in unheimlich einleuchtenden und klugen Sätzen wunderbar beschrieb. Und diese Sätze sind dann auch nicht drei Seiten, sondern oft nur zwei Zeilen lang und in den besten Momenten noch überirdisch interessant. Beispiel: Wenn Gately schwer verletzt halluziniert und der Tod ihm erklärt, man habe viele Leben, und am Ende jedes einzelnen stehe eine Frau, die einen tötet. Und diese Frau, die einen tötet, ist im nächsten Leben immer die Mutter.

Deshalb, heißt es dann unterhalb, habe Mutterliebe immer so einen leichten Hauch von Selbstsucht. Weil: Mütter versuchten einen Mord wiedergutzumachen, an den sich keiner erinnern kann.

Und das Ende? Der Rausch und die Party, der Albtraum. The Horror. The Horror!

PS: Schon in Arbeit, als Gegengift, sozusagen: Bolanos “Das dritte Reich”. Und wenn DFWs Dreikiloziegel ein Mutterkomplex-gewordens achtjähriges Gymnasium ohne Raucherzimmer ist, dann ist RBs vernichtender Urlaub wie ein Date, bei dem man zu spät kapiert, dass man eigentlich das Fluchtauto fährt. Ihr Reich-Ranicki.

 

WAS KOMMEN WIRD (1): The dog on the wall und so weiter

October 25th, 2011

Und siehe, da gewahrte das Volk den Hund an der Wand,warf sich in den Staub, der in der Luft war, und wehklagte und die Furcht war groß und nass, und der Prophet machte Fotos mit seinem alten Handy und sprach: Sehet, das ist der Hund, der verkündiget, was da kommen wird mitsamt Futterschüssel rechts unten, und das Staunen war groß und gratis, und also versammlete der Prophet sie alle um sich und nicht er sich um sie, nein, er erkannte sie, prophezeite und sprach, was denn da so kommen werde, und das geht folgendermaßen:

Im Magazin Megaphon, Novemberausgabe, wir ein Artikel kommen über Textgraffitis in Graz, also über Botschaften an der Wand, ganz okayer Artikel, eigentlich, wenn man die Umstände beachtet.

Das Bloghouse wird kommen, und es wird nicht Bloghouse heißen.

Ich werde vielleicht noch vierzig Jahre leben.

Das heißt, ich werde in etwa 60 Urlaubsreisen unternehmen, davon vielleicht 20 größere. Diese Reisen wird mir jemand verkaufen.

Es werden Päpste sterben, Islamisten gewählt und Barthaare rasiert werden, und ich werde in toto wohl 300 Kilogramm Nudeln verdaut haben. Diese Nudeln hat mir jemand verkauft. Ich werde mir nicht seltener als 500 Mal die Zehennägel geschnitten haben (lassen), aber wahrscheinlich auch nicht viel öfter, und ich werde mir kein Udo-Jürgens-Musical angesehen haben, nur: Warum eigentlich nicht?

“Himmel, ist das alles schön…” wird kommen, das ist ein Buch.

Es wird vielleicht sogar irgendwann etwas besseres nachkommen, aber geschrieben steht das nicht.

Und jetzt: Musik.

APPRECIATE (1). “HUNG” ist da

October 18th, 2011

Man muss zwei Mal hinsehen, aber das bin tatsächlich nicht ich. That said, thank heaven for “Hung”, eine HBO-Serie. Muss man gar nicht mehr sagen.

 

 

 

Okay.

Sie ist sogar für HBO-Maßstäbe gut. Tolle Charaktere, die heimischen Drehbuchautorsregisseuren nicht einmal dann einfallen, wenn sie sie klauen. Keine Namen, David Schalko, keine Namen. Spielt in Detroit, und wie das jenseits des ORF langsam üblich wird, spielt sie dann also auch wirklich in Detroit, und nicht in den zwei Gassen, die zwischen Stammbeisl, Wohnung und Trafik des Drehbuchautorsregisseurs liegend sich irgendwelchen Tirolern mit kaputtem DVD-Player als Schauplatz verkaufen lassen.  Keine Namen.

Kam gestern mit der Post, “Hung”.

Dann spielt also auch Michi Ostrowski nicht mit, oder überhaupt niemand, der vor laufender ORF-Kamera schon mal neben einem Kabarettisten gesessen hat, weil in “Hung” geht es – how to put that delicately – um jemanden mit großem Penis. Das muss man sich mal versuchen vorzustellen, dieses Detail hierzulande pitchend bei irgendeinem Programmdirektor vorbeizuschlängeln, eine wohl sogar für Fonsi Mensdorff-Pouilly unmögliche Mission, außer wenn ihm gleichzeitig Friedenstauben, Wick Vaporub und Karl-Heinz Grasser aus dem Hintern fliegen, wow, das war eine stimmiges Bild, zurück zum Riesenpenismann: Dem steht eine wunderbaren verkrachten Poetin als unfähige Zuhälterin vor. Dazu gibt es dicke Kinder, jüdische Ärzte und, yeah, I already sold it.

FAKTEN (1): Eva hat grüne Hände

October 17th, 2011

Hier also endlich ein Foto von Eva. Wie man sehr gut sehen kann, hat sie – zumindest eine – wirklich sehr saubere Hand, geformt zum Bierzelt-untauglichen “Ich habe einen Ehering”-Krapferl, weil sich so absolut kein Getränk bestellen lässt. Fact! Nicht so gut sehen kann man leider, dass Eva aus eine Schicht Kautschuk, darunter Polsterung, darunter dann die ganze Cyborg-Technologie aus der Zukunft besteht. Das verspreche wiederum aber ich. Aber zurück zum Weißen Riesen. Es hört sich ja so einfach an, “Mani Pulite”, wird aber so unheimlich rasch so unheimlich uninteressant, weißgott; hier also noch einmal alle Fakten:

“Normalerweise herrscht auf der Hand wie auf der gesamten Haut des Menschen ein saures Milieu mit einem pH-Wert zwischen 4 und 7. Durch das Händewaschen neutralisiert sich das Milieu der Hand, wodurch schlechtere Bedingungen für die vom Körper bevorzugten Mikroorganismen vorliegen. Nach wenigen Stunden ist das saure Milieu allerdings wiederhergestellt. „pH-hautneutrale“ Seifen werben damit, dass bei ihnen diese pH-Wertverschiebung nicht auftritt.”

Soweit Wikipedia mit so schönen Begriffen wie “saures Milieu” und “Wertverschiebung”. Work with it, green spin-doctor!

And this also just in:

Hände waschen schützt dich und mich

Be Bipa, Beware Bloghouse

October 6th, 2011

Und da warten wir also alle. Siehe Bild (ich beim Warten, Wetter noch gut). Warten auf das Bloghouse. Oder Blog-House? Hm? Jedenfalls – es kommt. Oder Bloghaus? Alle sind also sehr gespannt, bitte jeder nur ein Kreuz. Blog-Haus? Also Bindestrich? Ja. Und warum möchte ich auch noch erwähnt zu haben wissen, wie irgendwer kürzlich die aktuelle Bipa-Kampagne lobte? Man weiß es einfach nicht, diese Schublade bleibt ungeöffnet, Suspense – no; Quarantäne – weiß Gott. Es ist auf jeden Fall die Kampagne, auf der jedes Mädchen ins Tanzschul-Trutscherlhafte zerschminkt ist, Slogan: Be Bipa, und was man daraus entnimmt ist eben vor allem die bunte Billigkeit. Die ist ja nie schlecht fürs Geschäft. Punkt aber: Geradezu einen Wohltat ist es, wenn mal jemand den jungen Menschen sagt, sie sollen NICHT sie selber sein, sondern gefälligst wer anderes, und sei es etwas absurd pinkes. Noch schöner wäre natürlich, wenn irgendjemand mal allen sagt, sie könnten sich auch bemühen, etwas besseres zu sein als sie selber, zumindest  versuchshalber. Aber das kann ja wer anderer machen. Ich glaube, es war Bloghouse.

SEX IM ALTER, BURKE IM ORPHEUM

December 1st, 2008

Hunderte bestens gelaunte und garantiert das Verbotsgesetz befürwortende Soulfans: heterogener Anblick. Ein kugelrunder Soulsänger mit besten Absichten, routinierter 12-Personen-Band, Hits auf Wunsch und unerschütterlichem „Yes we can“-Gebot: unbezahlbar. Oder etwas heruntergedimmt formuliert: Es gibt sie noch, die guten Dinge. Die Karten für Sänger, Prediger und Obama-Kumpel Solomon Burke kosteten 40 Euro. Das garantierte ein auch zum ausladenderen Swingen einladendes Platzangebot. Man sah Steuerberater johlen, in Graz bekannte Sexualtherapeuten klatschen; Rosen wurden verteilt, Halsketten von „König Solomon“ in die Damenschaft geworfen. Ja, es gab sogar Tränen, des Glücks. Solomon Burke, 68, super bei Stimme und mit Enkelin als Chorsängerin angereist, nahm gegen Ende seiner Show persönliche Ehrerbietung entgegen. Es benahmen sich alle artig. Ein Abend wie aus dem Manufaktum-Katalog.

STEAN WEBER UND DIE WELTREVOLUTION

November 19th, 2008

Graz sei seine absolute Lieblingsstadt, bekräftigte der freundliche Stefan Weber kurz vor der Weltrevolution im Rechbauerkino, und außerdem, er scheiße auf den Parkinson. Klaus Hundsbichler, Regisseur der Weltrevolution, wiederum erzählte, wie ermüdend es sein kann, den eindrucksvollen Rudelbums bei „Mulatschag“ aus 40 verschiedenen Aufnahmen mit je drei Kameras auf vier Filmminuten zu komprimieren. Gefragt hatte beide Regisseur und Moderator Alfred Schwarzenberger. Und dann begann die „Weltrevolution“, Hundsbichlers energische Doku über Drahdiwaberl. Gäste der Weltrevolution waren Popstar Rainer Binder-Krieglstein, die Künstler Martin Behr, Barbara Kaspar, Jörg Vogeltanz, Videoproduzent Daniel Bauer und viele andere mehr. „Weltrevolution“ – jetzt auch in Graz..

ALLES IN ORDNUNG

November 7th, 2008

Lange kein Post, dafür eine Darmgrippe, eine normale Grippe, so etwas wie ein Bandscheibenvorfall und zwei Buchpräsentationen (eine in Wien, eine in Graz), von denen mir vor allem die in Wien in Erinnerung blieb. Gab nämlich einen sehr feinen Hotelteppich, der übrigens auch nachweislich zur Entstehung des US-amerikanischen Freak-Folks beigetragen hat, manche sagen “maßgeblich”, manche “federführend”; und auch die ganzen Forscher vom MIT und ähnlichem erwarten sich von ihm neue Erkentnisse. Keine Ahnung wieso. Aber mit Wissenschaft lässt sich ohnehin schlecht streiten.

ZWEIFELLOS, ÄH… (fehlen einem die Worte)

October 6th, 2008

Ich habe lange gebraucht um herauszufinden, warum der Besitz eines Exemplar dieses Buches so rundherum glücklich macht.

Der Grund ist schlicht, dass daran bis ins Detail einfach alles perfekt ist. Man muss sich nur das Cover ansehen: Kann man da alles lesen? Sind die Farben nicht beruhigend? Erinnert das Design nicht bestechend an die tollen Tranquilizer, die alle alle viertel Stunden in sich hineinfressen, weil sonst diese Stimmen wieder kommen, diese furchtbaren Stimmen, die wie Rainhard Fendrich klingen, nur friedlicher, und die natürlich nur die Vorboten sind von diesen Bildern von dicken, nackten FPÖ-Fo Dingen, die ich gar nicht kennen kann und von denen mir ständig Leute erzählen, die ich auch nicht kenne. Auf jeden Fall, was wollte ich…

Ja, so sieht das Cover aus, wenn man ein Paket aufreißt und den Anblick dann abfotografiert. Man kann daraus etwas lernen. Und wenn es nur ist, dass ich mich um die Inszenierung diesmal nicht geschert habe…